Psycho-Tipps für Social Media Folge 2: Warum Falschmeldungen gefährlich sein können

Ich erlebe es immer wieder, dass User beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auch per Mail Bekannte und Freunde eifrig vor vermeintlichen Gefahren im Netz warnen. In vielen Fällen verbreiten sich diese Nachrichten in Windeseile. Wenn man diejenigen, die das weiterverbreiten, nach einer unabhängigen Quelle für die Warnung fragt, so können sie meist keine nennen. Nur in seltenen Fällen ist an der Warnung etwas dran. Meistens handelt es sich um einen sogenannten Hoax, eine Falschmeldung.

Bittet man diejenigen, die Hoaxes weiterverbreiten, dies nicht zu tun, erzeugt dies meistens Unverständnis. Schließlich sei es doch nur gut gemeint, und lieber warne man vor etwas, auch wenn es sich dann als Falschmeldung herausstelle.

Doch diese Haltung ist gefährlich! Hoaxes sind oft nicht harmlos!

Warum Hoaxes schädlich sein können

Es gibt mehrere Gründe, warum die ungeprüfte Verbreitung von Falschmeldungen ein Problem ist.

Sie erzeugen Verunsicherung und streuen Angst: Viele Menschen lassen sich von solchen Warnungen verunsichern. Die Folge ist meist, dass sie sie, ohne weiter darüber nachzudenken, weiterleiten. Aber in einzelnen Fällen können Verunsicherung und Angst auch schlimmere Folgen haben. Ein erschreckendes Beispiel ist eine derzeit im Umlauf befindliche Sprachnachricht, die sich über WhatsApp verbreitet und dem Empfänger ankündigt, er und seine Mutter würden sterben, würde er die Nachricht nicht an 20 Leute weiterleiten. Diese Nachrich kann insbesondere bei Kindern, bei denen WhatsApp besonders beliebt ist, zu großer Verunsicherung und starken Ängsten führen.
Darüber hinaus werden Falschmeldungen auch verwendet, um Vorbehalte gegen bestimmte Gruppen zu schüren, gegen sie Stimmung zu machen oder gar zur Fremdenfeindlichkeit anzustacheln, wie dieses Beispiel zeigt.

Warnungen und Anleitungen in Hoaxes können Schäden verursachen: Ich erinnere mich, dass in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Hoax die Runde machte, dass sich ein gefährlicher Virus unter Windows verbreite und man eine bestimmte Datei suchen und diese löschen solle, wenn sie sich auf dem System befinde. Nur so könne man den Virus loswerden. In Wahrheit handelte es sich bei der Datei um eine wichtige Windows-Systemdatei, und die Löschung dieser Datei beschädigte das System. In den darauffolgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Hoaxes, die nach dem gleichen Schema arbeiteten.
Aber auch offline kann sich ein Hoax negativ auswirken. So hat die Falschmeldung, eine Person in einem weißen Kleinbus spreche vor Schulen Kinder an, die sich auf Facebook rasend schnell verbreitet hat und sich zeitgleich auf mehrere deutsche Städte bezog, dazu geführt, dass viele Eltern ihre Kinder völlig grundlos nicht zur Schule geschickt haben – selbst, als schon bekannt war, dass es sich um eine Falschmeldung handelte.
Last but not least ermöglichen Falschmeldungen natürlich auch Angriffe auf Firmen, etwa dadurch, dass Angreifer versuchen, über eine solche Warnung an sensible Daten heranzukommen, etwa indem behauptet wird, man müsse die Daten auf einer Website eingeben, um das Problem zu beheben.

Die ständige Verbreitung von Falschmeldungen führt zu mangelnder Aufmerksamkeit: Dieses Problem lässt sich besonders gut an dem Hoax mit dem weißen Kleinbus illustrieren. Werden ständig solche Falschmeldungen verbreitet, glaubt irgendwann keiner mehr einer solchen Meldung, auch wenn sie eine Warnung vor einer echten Gefahr darstellt. Die Folge: Menschen nehmen echte Bedrohungen nicht mehr ernst und kommen unter Umständen zu Schaden.

Die Weiterverbreitung des Hoax verbraucht unnötig Ressourcen: In der heutigen Zeit mag dieses Argument nicht mehr so wichtig sein. Aber früher konnte ein Hoax, der sich beispielsweise massenhaft per Mail verbreitete, Mailserver schon einmal in die Knie zwingen.

Was kann man tun?

Was kann man nun tun, um die unnötige und mitunter gefährliche Verbreitung solcher Falschmeldungen zu vermeiden?

Informieren Sie sich, ehe Sie eine Warnung weiterleiten oder Anweisungen aus der Warnung ausführen: Meistens reicht es, einen Teil des zugesandten Textes in Google zu suchen, um festzustellen, ob es sich um eine ernstzunehmende Warnung oder einen Hoax handelt. Die TU-Berlin hat einen Hoax-Info-Service eingerichtet. Sehr gute Quellen für Facebook-Hoaxes sind zudem die Website von Zuerst denken, dann klicken und die dazugehörige Facebook-Seite. In jedem Fall gilt: Sie sollten immer zuerst recherchieren, ehe Sie handeln!

Fragen Sie Fachleute: In manchen Fällen mag eine Recherche Sie nicht weiterbringen, etwa wenn der Hoax relativ neu ist. In solchen Fällen sollten Sie Bekannte oder Freunde fragen, die sich mit der Thematik auskennen und die die Meldung beurteilen können.

Warnen Sie vor Hoaxes und bitten Sie Freunde und Bekannte, sie nicht weiterzuverbreiten: Wenn Ihnen ein solcher Hoax zugesandt wird, warnen Sie Ihre Freunde und Bekannten davor und bitten Sie sie, den Hoax nicht weiterzuverbreiten. Weisen Sie auf Quellen hin, die belegen, dass es sich um einen Hoax handelt, um zu gewährleisten, dass man Ihnen glaubt.

Wenn Sie Kinder haben, bitten Sie sie, verdächtige Nachrichten nicht weiterzuleiten: Wie oben bereits angedeutet, können Falschmeldungen Kinder in besonderem Maße verunsichern und verängstigen, weil sie mitunter noch weniger als Erwachsene in der Lage sind, die Richtigkeit der Meldung einzuschätzen. Bitten Sie daher Ihre Kinder, verdächtige Meldungen nicht weiterzuleiten, sondern mit Ihnen zusammen zu recherchieren, was an der Meldung dran ist.

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Ein Gedanke zu „Psycho-Tipps für Social Media Folge 2: Warum Falschmeldungen gefährlich sein können

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